Stern
Der Hit in den USA: Eigenfett‑Transfer
VOM PO INS GESICHT
January 1995
IRMGARD HOCHREITHER

Die New Yorker Hautärztin Patricia Wexler hat Terminprobleme. «Bei mir», sagt die Ärztin, «geht's zu wie in einem überfüllten Restaurant.» Aus den Metropolen der Welt kommen sie angeflogen und betteln um einen Termin: Business‑Women, Top‑Models, Show‑Stars, Schauspieler. Und alle wollen nur das eine: an die Nadel. Mit der nämlich saugt die Dermatologin an Hüften, Oberschenkeln oder Gesäß überflüssiges Fett ab. Gereinigt wandert der Speck der Prominenz, darunter der von Barbra Streisand und Designerin Donna Karan, in den Kühlschrank.
Ein Jahr lang, Monat für Monat, kriegt die Patientin ihr Fett in kleinen Portionen zurück. Und zwar dorthin, wo es Falten und Konturen glättet: ins Gesicht. «Ich sage einer Frau nie, daß sie jünger aussehen sollte», verrät Dr. Wexler, «ich sage ihr nur, daß sie ihrem Alter gemäß so gut aussehen soll wie irgend möglich.» Rund 3000 Dollar kostet der Fett‑Transfer zwischen den Problemzonen. Eine ambulante Schönheits‑Operation unter örtlicher Betäubung, ohne Skalpell, aber mit dem Anblick gewaltiger Spritzen‑Kaliber, sollte man ertragen können.
Die New Yorker Ärztin ist eine erklärte Gegnerin der in den USA exzessiv betriebenen plastischen Chirurgie. Ihr Standpunkt: «Die Ärzte haben die Verantwortung, nein zu sagen zu einem Eingriff. Leider kommt das so gut wie nie vor, Ich sehe hier Berühmtheiten herumlaufen, die sind in verantwortungsloser Weise kaputtoperiert worden.»

In ihrer Praxis dauert das Unterspritzen der Falten nicht länger als 10 Minuten und hinterläßt keinerlei Narben, wie Dr. Wexler versichert. «Bei den meisten Frauen um die Vierzig geht es los», erläutert die Expertin, «sie verlieren Fett im Gesicht, die Wangen fallen ein oder rutschen in Richtung Kinn. Da ist Eigenfett ein ganz exzellentes Füllmaterial.»
Besonders stolz ist Dr. Wexler auf ihre kräftigen, aber sensiblen Daumen: «Die sind mein wertvollster Besitz.» Denn mit denen knetet und formt sie das eingespritzte Fett so lange, bis es an der richtigen Stelle sitzt. Ihr Werbespruch: «When I give the injection, I correct you to perfection.»
Nach der Meinung von Jutta Böhling, plastische Chirurgin in Hamburg, ist die Eigenfettunterspritzung jedoch nur sehr begrenzt einsetzbar. Denn: «Zum Beispiel bei tief eingegrabenen Nasolabialfalten bringt das gar nichts. Bei eingefallenen Wangen oder zur Aufpolsterung der Lippen dagegen ist der Einsatz von Eigenfett sinnvoll.» Die neue Pracht ist allerdings schnell wieder weg, ähnlich wie beim Collagen, das zudem die Gefahr einer allergischen (Langzeit‑) Reaktion der Patientin in sich birgt.
Einzig Corium‑Gewebe (ein aus der unteren Hautschicht entnommener Gewebestreifen, den man mittels einer Kanüle in einen vorbereiteten Kanal einspritzt) wird vom Körper nicht absorbiert und bietet ein ewiges Polster. «Jedoch gilt auch hier, wie für jede Form von Unterspritzungen», so die Hamburger Fachärztin, «das ist nur was für Geübte.» Die Kosten für eine Corium‑Behandlung: 1500 bis 2500 Mark; eine Collagen‑Therapie liegt bei etwa 2000 Mark.


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Patricia Wexler, Hautarztin in New York, nimmt fur eine Fett‑Ubertragung 3000 Dollar

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