VOGUE MANNER
Der Held von Tombstone
September 1994


219V-085-009
Kevin Costner as Wyatt Earp

Kevin Costner ist Wyatt Earp –eine Western-Ikone wieder auf der Leinwand.


219V-107-008


219V-102-009
Zwei Dinge braucht der Mann –ein Pferd und einen Colt. Kevin Costner als Marshall Earp hat beides.


219V-033-005
Gefährliche Pflaster: die Straßen von Tombstone. Sehr rasch gelangt man dort vom Leben zum Tod. Zum Zurücklehnen bleibt Wyatt Earp kaum Zeit.


219V-024-009
Mit der eisernen Verlängerung seiner Hand sorgt der Marshall für Recht und Ordnung: „Mein Name ist Wyatt Earp. Und jetzt ist Schluß“

Einer der wenigen Grundsätze, die sein Vater ihm mit auf den Weg gab, war: ,Schlag zuerst zu, und schlag zu, um zu töten." An diese einfache Regel erinnerte sich Wyatt Earp immer dann, wenn es überlebenswichtig wurde. Als er, noch ein junger Mann, von einem Gangster herausgefordert wurde, griff er kurzerhand nach einer Billardkugel, rammte sie seinem Gegenüber in die Magengrube ‑ und war selbst verblüfft über den schnellen Sieg. Wyatt Earp war, so ist es überliefert, ein Mann der einfachen Lösungen. Vermutlich ist diese Wesensart der Hauptgrund dafür, daß sich um den Marshall von Tombstone eine Legende bilden konnte.

Das mehr oder weniger ruhmreiche Wirken des Mannes, der mit dem Gewehr ebensoschnell gewesen sein soll wie mit dem Colt, war über die vergangenen Jahrzehnte hinweg viele Male willkommenes Thema der Filmregisseure. Was Ford, Sturges oder Nazarro reizte, war stets die Authentizität der Figur. Sie hatten das Bild eines Mannes vor Augen, der im Wilden Westen mit harter Hand für Ruhe und Ordnung sorgte. Einen Showdown wie am O.K. Corral kann man verbrä­men und übersteigern, man kann alles viel schlimmer machen, als es eigentlich zugegangen sein muß. Aber besser erfinden kann man diese ,,Schlacht" eigentlich nicht.


219V-065-009
Isabella Rossellini als Big Nose Kate. Von ihrer Rolle war sie ebenso fasziniert wie von ihrem Filmpartner Dennis Quaid.

Am 1. September kommt nun Lawrence Kasdans ,Wyatt Earp" in die deutschen Kinos. In ähnlich epischer Breite wie ,Der mit dem Wolf tanzt" erzählt der von Kevin Costner mitproduzierte Film aus dem Leben der Legende. Über drei Stunden führt Regisseur Kasdan (,,Silverado") seine Zuschauer in weite Landschaften und in bräunlich‑düster ausgestattete Innenräume. Dort wirkt ailes irgendwie verbeult und hat wenig von dem rustikalen Charme, an den sich der Kinogänger beim Betrachten von Westernfilmen gewöhnt hat. Schnell weiß er, daB auch der Wyatt Earp, der hier um sich schießen wird, keine Lichtgestalt ist. Niemand wird Kevin Costner vorwerfen können, er habe seinen Helden auf die ieichte Schulter genommen. Nach etwa einer Stunde, von dem Moment an, als Earp aus der Bedeutungslosigkeit zum Marshall von Dodge City aufsteigt, ist allerdings klar, daß Costners Wyatt Earp nur wenige Lektionen ‑ und die sehr gut ‑ gelernt hat. Charakteriich und vom Denken her ziemlich einfach gestrickt, wird ein Motiv, das wiederum der Vater (Gene Hackman) ins Hirn seines Sohns eingepflanzt hat, zur Triebfeder des Handelns. Zum Zwang, mit dem Colt der Schnellste zu sein, kommt die Besessenheit von der Idee, daß die Familie die wichtigste Bedeutung überhaupt habe ‑ Blut ist dicker als Wasser. Auch wenn man es nicht immer merken soll: Die Brüder Virgil (Michael Madsen) und Morgan (Linden Ashby) sind das ein und alles. Manche Kritiker in Amerika haben sich inzwischen öffentlich gefragt, ob dies für so viele Filmmeter nicht etwas wenig sei.

Als rettende Gestalt taucht dann Revolverheld Doc Holliday auf, wenig später engster Freund und Helfer des Protagonisten. Dennis Quaid, der sich für diese Rolle 43 Pfund abhungerte, ist von den nahezu 100 Darstellern zweifellos einer der allerbesten. Im schwarzen Anzug, mit schwarzen Handschuhen und einem Spazierstock versehen, füllt er seine Nebenrolle mit einer bestechenden Präzision und Schärfe, wie man sie bei ihm auf der Leinwand noch selten erlebt hat. ,Er ist das 19. Jahrhundert", schrieb das Magazin ,New York". In den wenigen Sequenzen, in denen Frauen in diesem Film etwas Wesentliches zu sagen haben, macht übrigens auch Isabella Rossellini als Big Nose Kate eine gute Figur.

Drarnaturgisch hält sich Lawrence Kasdan getreulich an die Historie, auch in jenen Episoden, die vielleicht weniger geläufig sind. 1848 in Illinois geboren, wollte Wyatt Earp wie sein Vater Anwalt werden und studierte in Missouri Jura. Schockiert durch den Tod seiner ersten Frau Urilla, geriet er auf die ganz schiefe Bahn und wäre beinahe als Pferdedieb aufgeknüpft worden. Über Dodge City, wo er nach 1870 Doc Holliday kennenlernte, kam Earp nach Tombstone und griff mit der eisernen Verlängerung seiner Hand durch. 1882, ein Jahr nach O.K. Corral, heiratete er die 2O-jahrige Josephine Marcus und blieb mit ihr zusammen. 1929 starb er in Los Angeles, eines natüriichen Totes.


219V-001-004
Stets wachsamen Auges –Mark Harmon als Sheriff John Behan.

END